Wenn der Hering kommt

NDR die Nordreportage

Es ist vier Uhr morgens, stockfinster und ziemlich kalt. Lange ließ der Hering auf sich warten, doch jetzt ist er endlich da. Die Fischer hoffen auf einen guten Fang. Thomas Koldevitz ist einer der weniger verbliebenen Fischer auf der Insel Rügen. Er liebt seinen Beruf über alles und will ihn auf keinen Fall aufgeben. Einige Handgriffe auf dem Kutter und schon nach wenigen Minuten verlässt der "Seeadler" den Hafen von Gager. Kurz darauf ziehen die Männer die Stellnetze ins Boot. Fette Beute, viele Heringe sind im Netz und alle voller Rogen, das gibt mehr Geld beim Verkauf. Zur gleichen Zeit am Weststrand von Thiessow: Ein kleines Beiboot nimmt Kurs Richtung Reuse. Fischer Sigmar Pretzel steuert den Kutter der Genossenschaft "Leuchtfeuer" aus dem Hafen Thiessow. Vorsichtig fährt er an die Reuse. Die Crew vom Beiboot treibt inzwischen die Heringe zusammen. Ein Netz nach dem anderen wird auf dem Kutter entleert und die Heringe verschwinden im Inneren des Schiffes. Über zwei Tonnen Hering, der Fischer notiert die Menge in seinen Unterlagen. Ein anderes Schiff kommt längsseits. Darauf Arno Vetterick, der Fischkontrolleur für die Region Rügen. Er steigt an Bord und checkt Logbuch und Heringsmengenangaben. Zurück im Hafen Gager: Jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Thomas Koldevitz und seine Männer müssen die Heringe aus den Netzen pulen. Bis zum frühen Nachmittag stehen sie an den Netzen, dann kommt ein Laster und fährt den Fisch nach Sassnitz ins Fischwerk Mukran. Dort wird der Hering verarbeitet. Auch der größte Teil des Heringfangs von Sigmar Pretzel landet in der Fischfabrik. Den restlichen Hering verarbeitet die Genossenschaft selber.Doch der Heringsfang ist längst nicht mehr das, was er früher einmal war. Zwar haben die Fischer die nächsten vier bis sechs Wochen jede Menge zu tun, doch wegen der Fischfangquote ist meistens früh Schluss. Aber erst einmal müssen die Männer am nächsten Tag ganz früh wieder raus, um Heringe zu fangen. Autoren: Dörte Petsch, Tom Rafoth Kamera: Matthias Ruuck, Thomas Simon, Ingo Kiepuhl, Jan Hensel, Schnitt: Sebastian Pehl, Ton: Alexander Wittkowski, Benjamin Frank, Lutz Streubel