ZDF.reportage - Zwischen Baum und Borkenkäfer – Einsatz im kranken Wald

Tote Wälder, abgestorbene Bäume: „Wie nach einem Atomkrieg!“, so beschreiben Wanderer im Harz ihre Eindrücke, die sie beim Aufstieg auf den Brocken, gesammelt haben. Das Mittelgebirge im Herzen Deutschlands ist vom Klimawandel besonders hart getroffen. Millionen Fichten sind allein in den vergangenen Monaten dem Waldsterben zum Opfer gefallen. Von der größten Krise des Deutschen Waldes sprechen Fachleute, wie Nationalparkleiter Andreas Pusch. Das jetzige Waldsterben sei viel umfangreicher als der vom sauren Regen verursachte Waldkollaps der 80er Jahre. Weit über 200 000 Hektar, ein Gebiet dreimal so groß wie Hamburg, verteilt im Bundesgebiet, ist jetzt schon von Dürre, Hitze und Borkenkäfer dahingerafft. Wie dieses Sterben gestoppt werden soll, ist zur Zeit nicht klar. Dass es sich wohl um einen nationalen Notstand handelt, zeigen verschiedene Einsätze der Bundeswehr im Kampf gegen den Borkenkäfer. Wie im Osterzgebirge, so sind Kolonnen von Soldaten in den Wäldern mit Schäleisen unterwegs, um die Forstleute im Wettlauf gegen den Schädling zu unterstützen. Dabei sind die Ursachen auch hier von keiner Armee zu bekämpfen: ausbleibender Regen und Stürme haben die Bäume so geschwächt, dass sie dem kleinen Schädling bisweilen schutzlos ausgeliefert sind. Waldbesitzer Jörg von Beyme im südlichen Sachsen-Anhalt sieht sich in einer existenziellen Krise. Nicht nur, dass ein Großteil seines etwa 700 Hektar großen Waldes unter Stürmen und Dürre zusammengebrochen ist. Selbst besonders wehrhaft geltenden Laubbäume, wie Buchen, müssen reihenweise notgefällt werden. Doch wohin damit? „Ich werde mein Holz einfach nicht mehr los. Durch das Überangebot sind die Preise derart im Keller, dass ich kein Einkommen mehr erzielen kann. Wie ich meine Kredite bedienen soll, ist mir zur Zeit ein Rätsel“, sagt der Vater von drei Kindern. Eigentlich hatte er vor, sich und seine Familie langfristig von einem gesunden Wirtschaftswald zu ernähren. Brennholz – darin sieht er mittlerweile die einzige Chance, noch etwas verkaufen zu können. Vielfältig sind die Bemühungen, vom Wald noch zu retten, was zu retten ist. Aus Sorge um den wertvollen Rohstoff lassen viele Waldbesitzer mit Hochdruck Fichten und Buchen fällen. Revierförsterin Anne-Sophie Knop aus dem Soonwald sieht im Anbau von Monokulturen eine der Ursachen für die Krise des Waldes. Viele Forstbetriebe haben jedoch schon vor Jahrzehnten begonnen, Mischwald zu pflanzen. Dort hat die nötige Verjüngung bereits begonnen. Wo alte Fichtenbestände sterben, wächst junger Wald heran. Die Hoffnung ist, dass sich der junge Wald von heute besser an häufigere Dürrejahre anpassen kann. Die Reportage erzählt von Menschen, die dem Waldsterben auf unterschiedlichste Art begegnen und es aufzuhalten versuchen. Zwischen Wiederaufforstung und „Natur, Natur sein lassen“ zeigt der Film Strategien zwischen Hoffnung und Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen.Am 15.12.2019 um 18:00 Uhr in der ZDF.Reportage

Sendezeit: 
15.12.2019